Händehygiene und -pflege

Die Haut ist von einem natürlichen Säureschutzmantel umgeben. Dieser ist ein durch die Schweiß- und Talgdrüsen gebildeter Hydrolipidfilm auf der Haut, der einen pH-Wert von ca. 4,5 bis 5,5 besitzt. Er verleiht der Haut einen Schutz vor alltäglichen Umwelteinflüssen wie Trockenheit, Noxen und Keimen.

Der Säureschutzmantel der Haut (= Hautbarriere) kann durch folgende Risikofaktoren angegriffen bzw. belastet werden:

  • Lebensphasen wie zum Beispiel Pubertät, Menopause (Wechseljahre der Frau) bzw. Andropause (Wechseljahre des Mannes), da die Hormonumstellung im Körper oftmals zu Hautveränderungen führt.
  • Kosmetika
  • häufiges (Hände)Waschen

Unsere Hände kommen im Laufe eines Tages mit den unterschiedlichsten Keimen in Kontakt, sei es beim Toilettengang, beim Streicheln eines Tieres oder beim Schieben eines Einkaufswagens, den schon viele Menschen zuvor angefasst haben. Diese Keime können auf alles übertragen werden, was angefasst wird. Wenn die Hände mit der Mund- oder Nasenschleimhaut sowie der Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden, können die Krankheitserreger in den menschlichen Körper gelangen.

Handreinigung

Regelmäßiges und gründliches Händewaschen stellt eine wichtige Schutzmaßnahme dar, um nicht nur sich selbst, sondern auch andere vor einer Ansteckung mit Infektionskrankheiten zu schützen! Dabei gilt: "So viel wie nötig, so wenig wie möglich."

Wichtig ist die Vorgehensweise beim Händewaschen. "Richtiges Händewaschen" will gelernt sein. Häufige Fehler sind vor allem eine nicht ausreichend lange Waschdauer sowie mangelnde Gründlichkeit.

Händewaschen

  • Das Wasser sollte lauwarm sein, da sowohl kaltes als auch heißes Wasser die Haut strapaziert und stärker austrocknet. Übrigens: Auf die Keimreduktion hat die Wassertemperatur keinen Einfluss.
  • Hände inkl. Unterarme unter fließendem und warmem Wasser anfeuchten
  • alle Teile der Hand inkl. Zwischenräume und Unterarme gründlich einseifen:
    • nach dem Verteilen der Seife mit den Fingern ineinandergreifen und hin und her reiben
    • das gleiche mit Handinnenseite zu Handrücken durchführen, dabei ebenfalls mit den Fingern ineinandergreifen (desinfizierende Zusätze sind in der Regel nicht notwendig)
    • Dauer: 20-30 Sekunden (entspricht dem zweimaligen Singen des Liedes "Happy birthday") – je kürzer die Hände gewaschen werden, desto geringer fällt die Keimreduktion aus
  • Seifenschaum gründlich abwaschen
  • Alle Teile der Hand inkl. Zwischenräume und Unterarme gründlich abtrocken, denn Mikroorganismen fühlen sich in feuchter Umgebung besonders wohl. Zudem werden durch die Reibung am Handtuch Keime entfernt, die trotz Händewaschens noch an der Haut haften geblieben sind.
    • Außerhäusig sollten Einmalhandtücher zum Abtrocknen verwendet werden.
    • Zu Hause sollte jedes Familienmitglied ein eigenes Handtuch benutzen.
    • Ggf. sind die Handtücher täglich zu wechseln.

Reinigungsmittel

Händewaschen mit Wasser alleine ist schon gut und in jedem Fall besser, als sich keine Hände zu waschen. Aber erst durch die Verwendung von Waschsubstanzen werden Keime von der Haut gelöst. Als Reinigungsmittel können Seifen oder Syndets (engl. synthetic detergents bzw. synthetische Detergentien) verwendet werden. Bei Syndets handelt es sich um waschaktive Substanzen (z. B. Duschgel, Waschlotionen) aus chemisch hergestellten Rohstoffen. Die dabei verwendeten Produkte müssen selbst keinen antibakteriellen Zusatz enthalten. Auch "normale" Seifen sind in der Lage, die Keimzahl signifikant zu reduzieren. Entscheidender ist, ausreichend viel Waschsubstanz zu verwenden.

  • Seifen 
    • entstehen bei der Reaktion einer Lauge mit Fett/Fettsäure (= Alkalisalze natürlicher Fettsäuren), z. B. Kokosöl, Palmöl, Palmkernöl
    • Bei normaler Haut können sie bedenkenlos verwendet werden und stehen den Syndets in nichts nach.
    • Bei beeinträchtigter oder trockener Haut sowie Hauterkrankungen sollten jedoch Syndets bevorzugt verwendet werden, da sie milder als Seifen sind.
  • Syndets 
    • enthalten als Schaum- und Reinigungskomponenten waschaktive Substanzen, sogenannte Detergentien* bzw. Tenside, die synthetisch (künstlich) hergestellt werden
    • haben zum Teil eine höhere Reinigungswirkung als Seifen
    • Ihre Reinigungsstoffe sind deutlich milder als die einer Seife.
    • entfetten die Haut weniger als Seife
    • Sollten wenn möglich duftstofffrei sein, also nur eine synthetische waschaktive Substanz oder Hautwaschöl mit hautneutralem pH-Wert (5,5) enthalten. Zu aggressive Waschsubstanzen können langfristig den schützenden Säureschutzmantel der Haut zerstören. Hautirritationen, -entzündungen oder Handekzeme können beispielsweise die Folge sein.

Beachte: Flüssigseifen aus Spendern sind hygienischer als das klassische Stück Seife, vor allem in öffentlichen WCs/Waschräumen.

*Als Detergentien (Sg.: Detergens) werden die in Reinigungsmitteln und Waschmitteln verwendeten Stoffe bezeichnet. Sie sind auch unter dem Begriff "Tenside" bekannt. Dabei kann es sich um einen Einzelstoff, aber auch um eine Zubereitung handeln. Ein Beispiel sind die in Gallseife enthaltenen Gallensäuren. Detergentien können natürlich vorkommen, aber auch synthetisch hergestellt sein (Syndets).

Händedesinfektion

Für den häuslichen Gebrauch sind Desinfektionsmittel (alkoholische Desinfektionsmittel ohne Duftstoffe und Konservierungsmittel) nicht erforderlich. In bestimmten Situationen kann aber eine Händedesinfektion sinnvoll/er sein, z. B. bei kontagiösen (ansteckenden) Krankheiten, einem erhöhten Infektionsrisiko oder im Rahmen von Krankenhausaufenthalten oder Pflegeeinrichtungen.

Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft rät dazu, in Zeiten intensivierter Handhygiene Hände zu desinfizieren und anschließend einzucremen, anstatt sie häufig mit Detergentien zu waschen. Dadurch würde die Hautbarriere weniger beeinträchtigt werden, weil Desinfektionsmittel die Hautlipide zwar lösen, aber nicht ausspülen.

Anzuwenden sind Mittel mit nachgewiesener Wirksamkeit, mit dem Wirkungsbereich "begrenzt viruzid" (wirksam gegen behüllte Viren), "begrenzt viruzid PLUS" oder "viruzid":

  • Desinfektionsmittel auf der Basis von 62-71%igem Ethanol, 0,5%igem Wasserstoffperoxid oder 0,1%igem Natriumhypochlorit (NaClO) können innerhalb von einer Minute den Erreger wirksam inaktivieren
  • Alkohol-Wasser-Gemische auf Basis von 70 % v/v 2-Propanol oder 80 % v/v Ethanol sind bei einer Einwirkzeit von 30 Sekunden und einem Volumen von 3 ml ausreichend wirksam gegen Bakterien und Coronaviren [1]

Folgendes gilt es zu beachten:

  • Desinfektionsmittel werden in die trockenen Hände eingerieben. Drei Hübe Desinfektionsmittel werden empfohlen.
  • Die Hände dürfen anschließend nicht mit Wasser abgespült werden.
  • Zur Reinigung verschmutzter Hände sind Desinfektionsmittel nicht geeignet.

Wann sollten Hände gewaschen bzw. desinfiziert werden?

Krankheitserreger sind für das bloße Auge nicht sichtbar. Daher sollten Hände nicht nur gewaschen werden, wenn sie schmutzig sind.

Händewaschen immer nach:

  • direktem Kontakt mit anderen Menschen
  • dem nach Hause kommen
  • Husten und Niesen
  • Naseputzen
  • dem Toilettengang
  • Kontakt mit Erkrankten
  • Kontakt mit Tieren
  • einer Wundbehandlung

Händewaschen immer vor:

  • der Lebensmittelzubereitung
  • dem Essen
  • einer Wundbehandlung

Unabhängig von der Handreinigung bzw. Handhygiene sollte Händeschütteln zur Begrüßung vermieden werden.

Wie oft Händewaschen?

Um die Keimlast an den Händen zu senken und damit das Ansteckungsrisiko einer Infektionskrankheit zu reduzieren, wird empfohlen, sich 6- bis 10-mal am Tag die Hände zu waschen. Ein britische Studie zeigte, dass noch öfteres Händewaschen mit keinem weiteren Nutzen verbunden ist [2].

Handpflege

Eincremen gehört zum Händewaschen bzw. -desinfizieren dazu! Dadurch können trockene und rissige Haut, Hautirritationen sowie Handekzeme vermieden und die Regeneration der Hautschutzbarriere unterstützt werden.

Welche Handcreme ist geeignet?

  • Das Pflegepräparat sollte
    • feuchtigkeitsspendend
    • rückfettend
    • mild/pH-neutral (pH-Wert < 6)
    • parfümarm/-frei sein.
  • Dabei kann es sich um eine Creme, Salbe oder Lotion handeln.
  • Für sehr trockene Haut empfiehlt sich ein Pflegeprodukt mit Urea (5-10 %), das die Feuchtigkeit in den oberen Hautschichten bindet, oder mit Glycerin, Ölen, Fetten.

Nicht geeignet sind Produkte mit ätherischen Ölen oder Alkohol.

Wie beim Händewaschen sollte auch beim Eincremen keine Stelle ausgelassen werden (Handinnenfläche, Handrücken, Fingerzwischenräume, Daumen, Nägel und Nagelhaut). Gerade die Haut am Handrücken ist besonders dünn und anfällig für äußere Einflüsse.
In der Regel ist ein haselnussgroßer Klecks Creme für beide Hände ausreichend.

Auch nach der Verwendung von Desinfektionsmitteln sollten die Hände eingecremt werden. Die antiseptische Wirkung der alkoholischen Desinfektionsmittel wird dadurch nicht abgeschwächt.

Literatur

  1. Verbund für Angewandte Hygiene e.V., Desinfektionsmittel-Kommission, 12. März 2020, aktualisiert am 16. März 2020
  2. Beale S, Johnson AM, Zambon M et al.: Hand Hygiene Practices and the Risk of Human Coronavirus Infections in a UK Community Cohort [version 1; peer review: awaiting peer review]. Wellcome Open Res 2020, 5:98


     
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